Oh! Jackie… Wenn Vintage zur Leidenschaft wird

Warum Vintage gerade jetzt wieder hochaktuell ist

Oh! Jackie… Wenn Vintage zur Leidenschaft wird

Interieur und Mode waren schon seit Gedenken meine großen Leidenschaften…

Im klassischen Bauhaus aufgewachsen, hegte ich zu unserem schwarzen Lounge Chair von Charles und Ray Eames immer eine besondere Affinitität.

Dieses Original aus dem Jahre 1956 noch heute zu besitzen erfüllt mich mit Stolz und weckt in mir alte Erinnerungen.
Es aber auch in mein modernes italienisches Ambiente zu integrieren, ist mein persönliches Verständnis von Interieur.

Mode und Interieur mit Geschichte

Genauso geht es mir in der Mode, wenn ich neueste Trends mit Kleidungsstücken vergangener Jahre oder sogar echtem Vintage kombiniere.

Vor kurzem fiel mir dieses Foto unten meiner leider verstorbenen Mutter in die Hände.
Sie war sehr modisch orientiert und an ihre 
Vorliebe für Escada, Sonia Rykiel und Louis Féraud erinnere ich mich wie heute.
Hier sitzt sie in einem schwarzen Escada Strickkleid im Sessel von Dieter Rahms, entworfen 1962.

Und was wäre die Mode ohne Ikonen wie Audrey Hepburn, Coco Chanel oder Marlene Dietrich, die mit ihrem jeweils unverwechselbaren Stil Epochen geprägt haben und über Jahrzehnte und bis heute für viele unter uns zu Leitfiguren wurden.

Sensibilität für Nachhaltigkeit

Ausgefallenes Design, früher nur einer kleinen wohlhabenden Käuferschicht zugänglich, hat längst mit Ikea, Zara & Co die breite Masse erreicht.

Aber bei allen Vorteilen und Annehmlichkeiten des preiswerten Fast-Fashion wächst auch wieder die Sehnsucht nach mehr Qualität, die Liebe zum Detail und nachhaltigem Mode-Bewusstsein.

Und ist es nicht der wunderbare Mix aus Altem und Neuem, der bereichert und unseren persönlichen Stil zu etwas Unverwechselbarem macht?

Auch bei Autos schaue ich nicht selten entzückt auf das ‚H‘ rechts auf dem KFZ-Kennzeichen, wenn wieder einer dieser geschichtsträchtigen Oldtimer bei schönem Wetter in der Münchner Innenstadt an mir vorbei fährt.

Liebe zu Vintage

Ich liebe die Mode, verfolge die neuesten Trends, aber lebe eher meinen ganz eigenen authentischen Stil.

So flaniere ich, gerade auch zu Gast in fremden Städten, nicht nur auf den angesagten Modemeilen, sondern suche gerne gezielt in den Nebenstraßen nach hochwertigen Second Hand oder lieber noch seltenen Vintage Boutiquen.

Sie üben auf mich eine besondere Anziehung aus und haben oft so etwas wundervoll Museales und Geheimnisvolles an sich.

Eine Frau die Vintage lebt

Vor einiger Zeit lernte ich auf einem privaten Fest Elisabeth Gerhold von Oh! Jackie kennen und besuchte sie in ihrem Atelier in Ebenhausen.

Elisabeth machte sich einen Traum wahr und betreibt seit vielen Jahren online und in ihrem Studio in der Nähe von München einen professionellen Handel mit sehr exklusiver und ausgewählter Vintage-Couture.
Schon der wunderbare Name ‚Oh! Jackie‘ verriet mir im Vorhinein viel über die Vorlieben und Inhalte ihrer Arbeit.
Übrigens auch ihr Motto: Dare to be unique!, künstlerisch beleuchtet an der Wand ihres Studios, könnte sie und ihren persönlichen Stil nicht besser beschreiben.

Respekt für die Kreationen früherer Designer

Es war ein spannender Nachmittag mit tiefen und seltenen Einblicken in ihre Tätigkeit, ihre gelebte Affinität zur Mode und ihren großen Respekt für die Kreationen namhafter Designer vergangener Zeiten.

Erst saßen wir in ihrem modernen und gleichzeitig von Modegeschichte geprägten Büro, später gewährte Elisabeth mir im bewusst abgedunkelten Studio interessante Einblicke hinter ihre Mode-Kulisse.

Geschichte hinter den Trägerinnern von Vintage Mode

Ein Eldorado seltenster Couture-Schätze aus aller Welt verbarg sich geschützt und sorgsam aufbewahrt unter weißen Kleiderhüllen.

Besonders die sehr umfangreiche Sammlung von Moschino zog mich lange und nachhaltig in ihren Bann.
Ich versuchte mir bei jedem dieser extravaganten Kleidungsstücke die Trägerin dahinter vorzustellen und konnte nicht umhin, das eine oder andere Teil auch selbst mal anzuprobieren.

Mein Q&A mit Vintage Expertin Elisabeth Gerhold 

Ich möchte Euch an diesem sehr interessanten Q&A mit Elisabeth teilhaben lassen, hier ein paar Auszüge daraus:

Liebe Elisabeth,

wie kommen eine Juristin und Marketing-Expertin eigentlich zur Vintage-Mode?

Man könnte sagen, das Auge für alles Schöne habe ich quasi in die Wiege gelegt bekommen. Aufgewachsen mit einer sehr modebewussten Mutter und einem Antiquitäten sammelnden Vater, wäre es fast schon ein Wunder gewesen, wenn beide Leidenschaften nicht auf mich abgefärbt hätten. Schon nach dem Abitur habe ich mit dem Gedanken gespielt, später irgendwann einmal ein kleines feines Antiquitätengeschäft zu eröffnen. So lag es nach Studium, Berufstätigkeit und Kinderauszeit fast schon auf der Hand, beide Themen zu verbinden und einen Online Shop für Vintage-Mode zu eröffnen.

Erkläre mir bitte den Unterschied zwischen Second Hand und Vintage? Und woran erkennt ein Laie die feinen Unterschiede?

Second Hand im Zusammenhang mit Bekleidung ist kurz gesagt, der Überbegriff für getragene Mode, egal wie alt sie ist. Der Begriff Vintage wird nur für besonders erlesene Stücke verwendet, die – im strengen Sinne der Definition – mindestens 20 bis 25 Jahre, höchstens aber 100 Jahre alt sind. Sie können getragen, aber auch ungetragen sein. Darüber hinaus spiegeln sie im besten Fall den Stil und Zeitgeist einer Dekade wider und stehen idealerweise für die modegeschichtliche Bedeutung eines Designers.

Für einen Laien ist es tatsächlich eher schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Angefangen damit, dass sich das „Alter“ häufig nicht auf den ersten Blick erschließt. Und endend mit dem modegeschichtlichen Know-how, das nötig ist, ein besonderes Stück zu erkennen und richtig einzuordnen.

(Hier in einem Traum von Léonard Paris auf einer Capri-Hochzeit.)

Warum denken dabei viele an verbeulte Schuhe und Mottenkugeln? 

Diesem Phänomen bin ich bisher eigentlich fast ausschließlich in der Generation unserer Mütter oder Großmütter begegnet. Und ich vermute, das hat mit den Erlebnissen der Nachkriegszeit zu tun. Da wollte Frau verständlicherweise nach all den Entbehrungen etwas Neues haben. Glücklicherweise hat sich dies schon seit geraumer Zeit grundlegend geändert und Second Hand zu kaufen, ist nicht mehr nicht nur nicht peinlich, sondern ausgesprochen angesagt, nachhaltig und gesellschaftlich akzeptiert.

(Zu einer Vernissage in einem Kleid von Thierry Mugler)

Wie stehst Du, im Zeitalter der ständig wechselnden Trends und des schnellen Konsums von Zara & Co., zu Nachhaltigkeit in der Mode?

 Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, nie in High Street-Shops einzukaufen. Denn gerade der Mix aus besonderen Vintage-Teilen mit Stücken aus aktuellen Designer-Kollektionen oder von High Street-Marken ergibt einen individuellen und spannenden Look. Aber ich lege auch hier großen Wert auf Nachhaltigkeit. Dies bedeutet für mich in erster Linie, die Lebensdauer eines Kleidungsstücks im Auge zu haben. Nach dem Motto, gefällt es mir so gut, dass ich es auch in 10 Jahren noch tragen möchte. Und, ganz entscheidend, von Unternehmen zu kaufen, die unter nachhaltigen und ethisch einwandfreien Gesichtspunkten agieren.

Worin liegt das Besondere an Deinen Vintage-Stücken?

Auf den Punkt gebracht: sie sind einzigartig, von herausragender Qualität und dabei, trotz ihres „Alters“, zeitgemäß. Viele sind auch tragbare Sammlerstücke, deren Zwillinge auf dem Laufsteg getragen oder für Modemagazine wie der Vogue abgelichtet wurden. Und da es jedes Teil in meinem Shop nur einmal und damit nur in einer Größe gibt, ist die Wahrscheinlichkeit, auf einer Einladung jemandem im gleichen Kleid zu begegnen, gleich Null.

(Kleider wie Gemälde des einzigartigen Jean Paul Gautier)

Wer kauft schwerpunktmäßig Vintage und gezielt bei Dir ein, Du hast ja kein Geschäft?

Dem Online Business sei Dank, verkaufe ich überwiegend in die USA. Dort liebt man Vintage schon seit längerem. Mein Kundenkreis reicht von wunderbaren Damen auf der ganzen Welt, die ihre Individualität unterstreichen wollen, Fashion-Museen – beispielsweise das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art in New York –, Designern auf der Suche nach Inspiration bis zu Celebrities, Sammlern, Stylisten und auch Kostümausstattern. Immer aber sehr interessante Persönlichkeiten!(1970er De Parisini Kleid mit Cocktailhut aus den 50er-Jahren)

Kann Vintage eine gute Geldanlage sein, und wenn ja, eher Kleidung oder Taschen?

Unter bestimmten Voraussetzungen schon. Mit Designerstücken im Bestzustand, bei Kleidung gerne auch Haute Couture von Häusern wie Chanel, Christian Dior, Yves Saint Laurent & Co., kann man eigentlich nichts falsch machen. Sie werden mit großer Sicherheit eine Wertsteigerung erfahren und können tatsächlich als Investment gesehen werden. Allerdings sollten sie nicht getragen und entsprechend aufbewahrt werden. Bei Taschen gilt, das sogenannte „Full Set“, also inklusive original Staubbeutel und original Verpackung, im besten Fall auch noch der Rechnung, erzielt die besten Preise.

Was muss Frau so für Deine erlesenen Schätze bezahlen?

Das kommt sehr auf das Einzelstück an, aber es ist für fast jeden Geldbeutel etwas dabei. Vom eierschalenfarbenen eleganten Paar Handschuhe aus Nappaleder für 118 €, über einen chicen Gürtel von Léonard Paris mit einem der charakteristischen floralen Prints aus den 1980er-Jahren für 298 € bis zum enzianblauen nummerierten Haute Couture Bouclé-Kostüm von Chanel von 1971 für 3.888 € ist die Spanne groß. Bezogen auf das Chanel-Kostüm ist der Preis nahezu ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass es in den 1970er-Jahren einer Dame vom Haus Chanel in unendlichen Stunden Handarbeit auf den Leib geschneidert wurde, wofür man heute mindestens das Zehnfache aufwenden müsste.

Welche Labels sind Vintage besonders begehrt?

Einerseits diejenigen, die auch heute noch begehrt sind, wie Chanel, Dior, Yves Saint Laurent und die einschlägig bekannten. Auch Emilio Pucci und Léonard Paris mit ihren wunderbaren Prints sind sehr gefragt. Aktuell besonders gesucht werden auf dem Vintage-Markt Designer wie Azzedine Alaïa, Jean-Paul Gaultier, Issey Miyake, Moschino und Versace. Und dann gibt es noch die wunderbaren Marken, die es zwar heute noch gibt, deren beste Zeiten aber hinter ihnen liegen. Beispielsweise Pierre Cardin, Courrèges oder auch Roberta di Camerino, deren Designs aus den 1960er- und 1970er-Jahren bei Sammlern hoch im Kurs stehen.(Elisabeth und ich in Kleidern und mit den passenden Handtaschen von Roberta di Camerino)

Im Lager Deines Studios herrscht sehr gedämpftes Licht und alles ist sorgfältig in Hüllen verpackt, warum?

 Damit meine Schätze die Zeit bei mir in bestmöglichem Zustand überdauern bis sie von ihrem nächsten Liebhaber gefunden werden, müssen sie unter bestimmten Bedingungen gelagert werden. Dazu gehört:
*Sie unter Hüllen zu hängen, um sie vor Staub und vor schädigender Lichteinwirkung zu schützen.
*Sie bei einer Temperatur zwischen 18 und 23 Grad zu lagern und vor Motten zu sichern.

Für mich ist erlesenes Vintage eine Form von Kunst und Kultur, wie stehst Du dazu?

Da geht es mir wie Dir! Wunderbarerweise wird Mode schon seit geraumer Zeit und zunehmend als Kunstform anerkannt. Dies manifestiert sich nicht nur in den global stattfindenden Ausstellungen zu Ehren bedeutender Designer. Erinnern wir uns beispielsweise an die großartige Retrospektive „Christian Dior: Designer of Dreams“, die 2017 im Musée des Arts Décoratifs in Paris einer breiten Öffentlichkeit gezeigt wurde und seither um die Welt tourt.

(Elisabeth in einem Mantel von Pierre Cardin aus den 1960er Jahren und einer Satin-Tasche von Tod’s, ich trage Dior von 1970 mit einer Reptil-Print-Tasche von Gianni Versace)

Auf was muss ich achten, wenn ich erlesene Designerteile neu kaufe?

Wenn Du auf der Suche nach etwas bist, das Du tragen möchtest, dann würde ich auf Teile setzen, die Dich – übertrieben gesagt – nachts nicht schlafen lassen und die auch noch in ein paar Jahren tragbar sind. Von welchem Designer auch immer.

Sprechen wir von „Future Vintage“, das eine Wertsteigerung erfahren soll, sieht es etwas anders aus, da heutzutage auch die Luxusmarken sehr hohe Stückzahlen produzieren. Dann würde ich nach den besonderen Teilen Ausschau halten, die auf dem Laufsteg gezeigt wurden und in Magazinen erscheinen.

(…Wie dieses Kleid von Emilio Pucci)

Warum für viel Geld Vintage und nicht den neuesten Designertrend kaufen?

Am liebsten würde ich antworten, probiere es aus! Wetten, dass Du – nur um ein Beispiel zu nennen – in einem der ikonischen bodenlangen Samtröcke von Emilio Pucci aus den 1960er/1970er-Jahren nicht nur einmal angesprochen wirst, was Du da Fabelhaftes anhast. Es ist die ungewöhnliche Einzigartigkeit, die auch nicht Modekenner begeistert.

 

Dieses spannende Interview mit Elisabeth, ihre gelebte Passion zu Vintage und ihre wirklich einzigartigen Stücke haben mich noch lange beschäftigt.

Ich hätte noch Tage im Atelier von Oh! Jackie verbringen können, um die wunderbaren Kleider aus vergangenen Zeiten aus ihren weißen Hüllen zu lüften, mir wertvolle Details wie geprägte Knöpfe oder von Hand genähte Säume zeigen zu lassen und dem profunden modegeschichtlichem Wissen zu jedem einzelnen Kleidungsstück zu lauschen.

Am Ende haben wir noch gemeinsam im Garten ihres Hauses ein paar Fotos gemacht.

Verliebt in mein Kleid von Roberta di Camerino

Natürlich kam ich nicht mit leeren Händen am Abend nach Hause.
Beim Durchstöbern dieser besonderen Kollektionen machte ich einen Modefund und verliebte mich in das Kleid von Roberta di Camerino, es passt wie angegossen und ich musste es einfach kaufen.

Und hochaktuell mit seinem geometrischen Muster ist es allemal, wie es uns die aktuelle Ausgabe von Elle ausführlich aufzeigt.

Wenn Vintage zur Leidenschaft wird, steckt sicher Elisabeth Gerhold und Oh! Jackie dahinter.

 

Eure Bibi

p.s. Don’t be like the rest of them Darling… (Coco Chanel)

 

Werbung ist rein privater Natur und aus persönlicher Leidenschaft heraus!

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