Die Liebe ist das schönste Gefühl der Welt… auch noch mit Ü50?

Für Bibi Horst ist die Liebe mit Ü50 das größte Geschenk

Die Liebe ist das schönste Gefühl der Welt… auch noch mit Ü50?

Wer erinnert sich von uns nicht an die erste Liebe, die Überflutung an Gefühlen, die Purzelbaum schlagenden Schmetterlinge, unsere überglücklichen aber auch zu tief betrübten Herzen…

Liebe in der Jugend

Wir tauschten heimlich im Klassenzimmer Liebesbotschaften auf Zettelchen aus mit lebensentscheidenden Multiple Choices:

Die Liebe war damals herzerfrischend, spannend, abwechslungsreich, leicht und sicher für uns alle irgendwie lebensentscheidend.
Wir schmissen uns ins Abenteuer mit unserem coolen Herzblatt ohne Wesens- und Eignungstest.

Tolerant, optimistisch und unbelehrbar gegenüber Eltern und Freunde schwebten wir auf einer großen rosaroten Wolke, frei von jeglichen Vorurteilen, Erwartungen und Bedenken.

Liebe war etwas Einzigartiges und Unendliches, umso mehr schluchzte ich x-mal beim Tod von Ali Mc Graw im Film-Melodrama ‚Love Story‘.

Bis dass der Tod Euch scheidet…

Wie oft waren wir auf diesem Weg von ‚himmelhoch jauchzend zu tode betrübt‘, schwebtem im siebtem Himmel und landeten irgendwann wieder enttäuscht und desillusioniert auf der gnadenlosen Mutter Erde.
Doch wir verloren nie den Glauben an die große Liebe, richteten uns und unsere verbeulte Krone wieder auf und weiter ging es im Galopp in Richtung Glückseligkeit zu zweit.

Im Sommer 1965, ich war noch zu klein dafür, fand regelrecht eine Revolution für die Liebe statt, die in dieser Zeit wie eine begehrte Droge frei und rebellisch konsumiert wurde.

Den ‚One and Only‘

Irgendwann wurde es dann ernster, wir fanden unseren ‚One and Only‘, gründeten eine Familie und bekamen vielleicht auch Kinder.

Ich erfreue mich jeden Tag an den doch recht zahlreichen Ehepaaren in meinem Freundeskreis, die mittlerweile glücklich die silberne oder sogar bereits die goldene Hochzeit feiern.
Die trotz vieler Hochs und Tiefs die Liebe zueinander und den so wertvollen Verbund miteinander nie verloren haben, so manchen Versuchungen des Lebens widerstehen konnten und am Ende sogar den Treueschwur vor dem Altar, ‚bis dass der Tod Euch scheidet‘, beim Wort nehmen werden.

Die immer noch Hand in Hand durch den Englischen Garten spazieren oder zusammen viel zu lachen haben, wie unsere besten Freunde Sassa und Michael hier auf dem Foto nach 29 Jahren Ehe.

Manchmal kommt es im Leben anders, als Mann/Frau denkt

Doch in der heutigen Zeit sind Ehe und feste Lebensgemeinschaften schon lange kein Garant mehr für Beständigkeit und Glück.
Oft zu unterschiedlich oder auch zu ambitioniert entwickeln sich unsere Wünsche ans Leben und an den Partner.
Karriere und Selbstverwirklichung verdrängen längst leise und unbemerkt die private Kompromissbereitschaft und tolerante Weitsicht über den eigenen Tellerrand.

Haben diese zart explosiven Gefühle von einst mit den Jahren ihre Magie verloren?
Werden mittlerweile an die Liebe, statt des puren Genießens dieses ganz besonderen Zaubers, längst höhere Ansprüche gestellt und unser eigenes Verständnis aber auch Bedürfnis dafür viel zu rational umrissen?

Ist das vielleicht der Grund dafür, dass die, in ein Korsett gepferchte, Liebe im Laufe der Zeit einfach den Anforderungen nicht mehr gerecht werden kann oder sich als inkompatibel erweist in Bezug auf die sich anders entwickelnden Lebensumstände? Und am Ende schlichtweg zerbricht?

Oder sind es Tinder & Co schuld, die ein vermeintliches Schlaraffenland an Traummännern und Traumfrauen mit Rundum-Sorglos-Paket versprechen, vor denen wir die Augen nicht verschließen möchten?

Mit 50 verändert sich das Leben und die Herausforderungen

So passiert gerade um den verflixten 50. Geburtstag mit und um uns sehr viel.
Einige unserer privaten oder beruflichen Grundmauern stürzen plötzlich ein, die wir bis dato als absolut solide angesehen haben.

Dazu entwickeln sich in dieser Zeit neue Herausforderungen und Ansprüche an Gesundheit und Fitness, Attraktivität und ewige Jugend, dazu immer neue Wünsche an den perfekten Alltag.

Die lange Jahre praktizierte Selbstaufgabe für Beruf und Familie wird nun gerne durch Selbstverwirklichung und stärkere Ich-Bezogenheit verdrängt.
Auch die ersten oder zweiten Zipperlein des Alters schleichen sich ungefragt ein.

Alles weittragende Veränderungen, von denen wir in diesem Lebensabschnitt entweder ungefragt überrannt werden oder die wir nun bewusst in unser Leben locken.

Ich weiß genau, wovon ich rede und wie es mir ging, als mein Rundum-Sorglos-Leben nach und nach in sich zusammenfiel.
Ich habe gelitten aber nach Jahren endlich gelernt, diese vielen Stolpersteine nach den ersten verzweifelten Schreck-Momenten als Wegweiser für eine neue und für mich wichtige Zukunft zu verstehen.

‚When nothing goes right, go left‘ ist längst zu meinem rettenden Lebensmotto geworden.

Die Liebe ab 50

Genauso steht es um die Liebe, diesem magischen Gefühl und so wichtigen Bestandteil unserer Glückseligkeit.
Oft aus verletzter und resignierter Seele werden die bunten Schmetterlinge viel zu vorschnell verscheucht und alle Türen und Tore zu unseren Herzen unwiderruflich verbarrikadiert.

Dabei ist die Liebe in unserem Alter etwas ganz Besonderes…
Das immer noch loderne Feuer in einer Ehe nach 20 oder 30 Jahren genauso wie die neue Flamme, die wir einfach nochmal mutig entfachen lassen.

Dem alten und bewährten Pflänzchen mit Sorgfalt und Pflege immer neues Wasser und Dünger geben oder einem kleinen noch unbekannten Saatkorn mit Mut und Engagement ein neues Leben schenken…
Die Liebe hat es in beiden Fällen verdient, an sie zu glauben und um sie zu kämpfen.

Die Liebe ist der beste Jungbrunnen

Nichts hält mich fitter, jünger und ausgeglichener als das Gefühl zu lieben und geliebt zu werden.
Dessen bin ich mir mit meinen bald 59 Jahren mehr als sicher.

Genau diese so besondere Emotionen auszuleben, hilft mir Tag für Tag, zunehmende Gebrechen, Falten oder menschliche Verluste und Enttäuschungen des Lebens abzufangen und gelassener damit umzugehen.

Und den Mut zur Veränderung belohnt das Leben!

Wie oft habe ich die wundervolle Erfahrung machen dürfen, dass mein Mut zum Loslassen und Verändern, oft sogar ohne Netz und Boden, vom lieben Gott reichlich belohnt wurde.

Nach einem tapfer durchschrittenen Leidensweg öffneten sich plötzlich Türen, die ich nie für möglich gehalten hätte oder die höchstens mal in meinen für irreal gehaltenen Träumen eine Existensberechtigung hatten.

Neue Liebe ab 50

Die Liebe in fortgeschrittenem Alter ist anders…
Sie ist bewusster, vielleicht auch vorsichtiger, abwägender, reflektierter, aber nicht weniger intensiv und romantisch.

Schmetterlinge fliegen auch jetzt noch, aber langsamer, ohne überhastete Sturzflüge und eventuelle Abstürze,
eher im geduldigen und abwartenden Gleitflug mit der idealistischen Perspektive, sich irgendwann mal behutsam im Herzen des anderen niederzulassen.

Feinfühlig suchen diese zauberhaften Geschöpfe ein ehrliches, lebens- und liebesbejahendes, altlastenfreies Herz, das zwar autark und selbstbewusst schlägt, aber nur gemeinsam zu hüpfen anfängt.

Diese in die Jahre gekommenen Schmetterlinge sind immer noch bunt und wunderschön, doch sie sind weiser geworden…
Sie haben das kopflose Hineinstürzen in immer neue Abenteuer abgelegt und suchen eher behutsam nach harmonischem Gleichklang.

Statt hohe Erwartungshaltung haben sie lieber geduldige Offenheit und Toleranz im Gepäck, dazu unveränderte jugendliche Neugierde und viel Lust auf das Leben.

Liebe über 50 hat ‚best-ager‘ Qualitäten

Mich nicht mehr Hals über Kopf in ein Liebes-Abenteuer zu stürzen, büßt an Romantik ein, könnte man meinen…

Doch diese behutsamen und sensiblen Antennen einer neuen Lebens- und Liebes-Situation gegenüber haben auch etwas sehr Spannendes und sogar Prickelndes.

Dazu verleihen mir Selbstbewusstsein und Souveranität dem Leben und der Liebe gegenüber ein wunderbar sicheres Gefühl.

Die gemachten Erfahrungen der letzten Jahre, ob gute oder schlechte, sind für mich längst der ideale Coach in Liebes-Fragen geworden, vor allem auch beim Mut zum ‚Nein‘-Sagen.

Die Liebe ist nie Mittel zum Zweck

Wie oft höre ich von Zweck-Gemeinschaften im Alter, so nach dem Motto:
‚Er ist nicht gerade mein Traummann, aber immer noch besser als alleine alt zu werden‘.
Das finde ich schade, denn gerade in unserem Alter sollte die Liebe einmal weniger Mittel zum Zweck sein.
Gerade im letzten Lebensabschnitt sind wir einander doch viel näher als im jugendlichen Workaholic-Berufsalltag umringt von mannigfaltigen Alltagsverpflichtungen.

Wir verbringen jetzt deutlich mehr Zeit miteinander und möchten den anderen doch gerne riechen, anfassen und anschauen, Zärtlichkeiten und Sex erleben, ihm gerne zuhören, mit ihm lachen und weinen.

Nur ein unfassbar großes Wohlwollen, was ich Liebe nenne, lässt es zu, den anderen gerne zu pflegen, wenn er krank und gebrechlich wird und über unsere altersbedingt potenzierten Ecken und Kanten liebevoll lächelnd hinwegzusehen.

Liebe bedeutet verzeihen

Die Liebe im Alter ist allumfassender, komplexer, oft auch bewusster und hoffentlich toleranter und geduldiger.

Trotz negativer Erlebnisse und Verluste in der Vergangenheit, ob im Leben oder in der Liebe, nie Verbitterung und Resignation zugelassen zu haben, erfüllt mich immer wieder mit Stolz.

Weiter an das Gute zu glauben und Veränderungen als wunderbare Herausforderung anzusehen, ist eine Naivität, über die in meinem Umfeld zwar oft gelächelt wird, die ich mir aber in jedem Falle erhalten möchte.

Zu verzeihen, auch wer mir noch so großes Leid beschert hat und dankbar für das Hier und Jetzt zu sein, ist und bleibt eine große Challenge aber gleichermaßen auch der Nährboden meiner inneren Zufriedenheit.

Neue Perspektiven in der Liebe

Die Liebe hat in dieser zweiten Lebenshälfte für mich einen ganz neuen Stellenwert bekommen.

Statt Haus bauen und Familie gründen, Karriere machen und die Kinder zu wundervollen Menschen erziehen, kann ich mich jetzt endlich zurücklehnen und genießen…
Ob in der Partnerschaft, aber genauso in der liebevollen Beziehung zu guten Freunden, zu unseren Kindern und vielleicht Enkeln.

Dazu werden wir nicht unattraktiver und älter, sondern gelassener und schöner und jede unserer wundervollen Lachfalten erzählt eine spannende Geschichte.

Liebe im Alter ist befreiend

Es ist so unglaublich befreiend, mir und anderen nichts mehr beweisen zu müssen und so sein zu dürfen, wie ich halt bin, mit allen Ecken und Kanten.

Uns mit dieser ehrlichen und ungefilterten Toleranz zu begegnen, dem anderen wohlwollend seine eigenen Freiräume zu lassen und dabei Hand in Hand in dieselbe Richtung zu schauen, ist für mich das Erfolgsrezept für die Liebe im Alter.

Dazu den Mut zu haben, vielleicht nochmals neu zu beginnen, unser Leben bewusst zu genießen und die hart erarbeiteten Lorbeeren ohne schlechtes Gewissen zu ernten.

Engagement in der Liebe wird vor allem im Alter belohnt

Die Herausforderung einer Patchworkfamilie auf uns zu nehmen und für das neue Familien-Glück zu kämpfen…. sind ebenfalls wertvolle Facetten einer späten Liebe .

Es ist dieses altersweise Engagement, das die Liebe gerade jetzt zu einem neuen Spektakel der Sinne macht, ohne schlechtes Gewissen und sinn-lose Tabus,
ob bereits während unserer späten Partnersuche, im Umgang mit dem neuen Herzensmenschen oder dem langjährigen Ehepartner, um gerade bei letzterem der Routine und Langeweile keinerlei Chancen einzuräumen.

Erotik kennt kein Alter

Vor ein paar Wochen schlenderte ich durch München und auf dem Weg zum Marienplatz kam ich an dem sehr besonderen Wäschgeschäft ‚Agent Provocateur‘ vorbei.

Ich sah, wie ein schon in die Jahre gekommenes Pärchen mit Tüten bepackt und leicht geröteten Wangen kichernd den Laden verließen.

Ich fand die Szenerie großartig und unsere Blicke trafen sich.
Verschmitzt lächelnd meinte der Herr kess zu mir: ‚Für die Liebe ist es nie zu spät, nicht wahr ‚bella Signora‘?‘

Ich lächelte zurück und nickte zustimmend…

 

Liebe ist das schönste Gefühl der Welt… gerade mit Ü50!!!

Meint Ihr nicht auch?

 

Eure Bibi

p.s. Alter schützt vor Liebe nicht, aber Liebe vor dem Altern!

Danke liebe Isabell für dieses herzzerreißend wundervolle Kommentar von Dir zu meinem Blogpost:
‚Wahr, weich und WUNDER-VOLL geschrieben, liebe Bibi.
Liebe ist frei. Sie ist wie die Kraft des Windes, der unsere Flügel hebt und fliegen lässt. Wer Liebe atmet, hat nichts zu fürchten.‘

 

12 Kommentare

  1. So schön beschrieben, genau so ist es ❤️
    Und mit Ü 50 weiß Frau was sie will und was nicht… bin gespannt was das neue Jahrzehnt mit 60 jetzt bringt 😀
    Angefangen hat es schon mal sehr gut 🎈

  2. …..unglaublich wunderschöne Gefühle
    in Zeilen verpackt
    ein großartiges Wesen läßt mich wachsen
    dafür „danke“

  3. What beautiful words, Bibi, and I especially love the images of you and your partner, as a reflection of the love (and joy) you patently have for each other.
    I’m on my way to 71 and have been married to the love of my life for 46 years. He and I are two halves of the same soul and even in our 70’s, I look at him and my heart does its butterfly thing. I read somewhere about our shadows being joined to us at the toe, like Peter Pan’s, and that’s how I feel about my husband – joined at the hip, if not at the toe!
    A lovely post to read on this chilly winter’s dusk here in Tasmania, Australia.

  4. Wahr, weich und WUNDER-VOLL geschrieben, liebe Bibi. Liebe ist frei. Sie ist wie die Kraft des Windes, der unsere Flügel hebt und fliegen lässt. Wer Liebe atmet, hat nichts zu fürchten.

  5. Sehr schön zu lesen, meine Frau hat mich dazu animiert. Bin 68 Jahre und solchen Themen gegenüber immer aufgeschlossen. Freue mich auf den nächsten Beitrag.

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