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Bitte nichts Gebasteltes...

...zum Muttertag.


Meinen Beruf habe ich gründlich studiert und jegliches Handwerkszeug mit auf den Weg bekommen, doch Mutter war ich irgendwie plötzlich und trotz manigfaltiger Fachliteratur, die ich in meiner Schwangerschaft in den schlaflosen Nächten gelesen habe, und klugen Ratschläger von Nachbarn und Freunden, war doch alles verdammt unbeholfen, als mein wundervolles Bündel dann endlich nach zwei Wochen Verspätung das Licht der Welt erblickte.

Wollte ich doch definitiv vieles anders machen als meine Mutter, tappte ich doch immer wieder unbemerkt in die selben Erziehungsfallen, statt Nachsicht kam Ungeduld, statt Toleranz falscher Ehrgeiz und statt Muße eher Alltagshektik....und die selbstgebackenen Plätzchen an Weihnachten kamen von der Tante, sonst hätten wir gar keine gehabt?, so fest hatte mich mein Job im Griff.

Liebte Valentina eher das inflazionäre Chaos, in dem sich die Genies ja bekanntlich am wohlsten fühlen?, bevorzugte ich ein elegantes und aufgeräumtes Zuhause, hörte Valentina gerne laut House, stand ich eher auf die leiseren Balladen und wollte ich meine Tochter cool und stylisch kleiden, wählte sie lieber die Prinzessinnenkleidchen.

Aber was sich reibt, das liebt sich und ich möchte keine Sekunde dieser Höhen und Tiefen missen, denn sie haben unser Verhältnis zu dem gemacht, was es heute ist, basierend auf Vertrauen, Respekt und Liebe.

Wenn ich zurück denke, gibt es jedoch einen wunden Punkt, den Valentina mir sicherlich bis heute übel nimmt, es geht um ihre Geschenke, vor allem zum Muttertag:
Bastelte sie mir doch immer voller Hingabe und Talent die wundervollsten Sachen, von Collagen, selbstgemalten Bildern, getöpferten Elefanten bis zur  Kastanienfamilie...
Ich freute mich ehrlich darüber, allerdings schon im Moment des Überreichens zermarterte ich mir mein Gehirn, wo es nach dem Geburtstag einen geeigneten Platz finden könnte, denn wie oben schon erwähnt, passte meiner Meinung nach die Kastanienfamilie nicht unbedingt so perfekt neben die Designervasen auf das hochglänzende Sideboard...

Trotzdem ließ ich diese dort ein paar Tage schweren Herzens stehen, doch dann verschwanden sie, wie von Geisterhand und über Nacht in einer großen und liebevolle ausgesuchten Kiste, zusammen mit allen anderen wundervollen Kunstwerken Valentinas.

'Mea culpa, mea maxima culpa', ja das sind so die schwer verzeihlichen Kindheitserinnerungen, die an mir, wie ein Tattoo haften bleiben, da kann ich machen, was ich will.

Auch lachen wir heute noch herzhaft darüber, wie ich aus erzieherischen Maßnahmen, Valentina war vielleicht 10 Jahre alt, ihr für eine Woche den IPod weggenommen habe.
Leider hatte ich ihn gut versteckt, besonders gut versteckt, nein so perfekt versteckt, dass selbst ich ihn nach der Woche nicht wiederfand.
Er tauchte Jahre später beim Umzug wieder auf, längst hatte ich Valentina einen neuen kaufen müssen.

Aber geschenketechnisch habe ich gelernt, der von Valentina mit Liebe ausgesuchte Bilderrahmen mit unserem Familienfoto bleibt fest auf meinem Arbeitstisch stehen, auch alle anderen wunderschönen Geschenke der letzten Jahre halte ich in Ehren und freue mich nicht selten so sehr darüber, dass mir beim Auspacken die Tränen kommen.

Müssen wir Mütter eigentlich immer perfekt sein?...Ich jedenfalls bin es nicht, doch wohlwollend über so manche Eigenarten lächelnd hinwegzusehen, unsere Kinder bei uns und wir bei unseren Kindern...ist nicht das genau Liebe?

Noch eine persönliche Frage zum Abschluss.... was macht Eure Kastanienfamilie??

Alles Liebe,
Eure Bibi
Zuhause ist da...
Wer Schmetterlinge lachen hört...
 

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Donnerstag, 26. April 2018

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