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Wer Schmetterlinge lachen hört...

...der weiß auch, wie sich Glück anfühlt.

In meinen Ohren klingen immer noch die Worte meiner Eltern, die mich ermahnten, mich anzustrengen und besser zu sein als Andere, um im Leben etwas zu erreichen.

Aus elterlichen Erwartungshaltungen entwickelten sich nach und nach meine eigenen, mit festen Werten und Zielen und der genauen Vorstellung, wie mein Leben, aber auch das meiner Mitwelt zu sein und zu funktionieren hat.

Hohe Ziele habe ich für mein Leben gesteckt, eine perfekte Familie, Karriere, Wohlstand und sportliche Erfolge, Anerkennung, Attraktivität und gute Gesundheit bis ins hohe Alter.

Nicht nur die Ziele waren, vor allem in der Komplexität betrachtet, ambitioniert, nein auch dazu noch der Wunsch nach dem großen Glück, um all diese Ziele nicht nur möglichst schnell zu erreichen, sondern auch dauerhaft an meiner Seite zu haben. 

Aber erreiche ich mein Glück, genauso wie Karriere oder sportliche Erfolge, durch eisernen Willen, Fleiß, Ehrgeiz oder beeindruckende Persönlichkeit? 

Und hilft mir dabei das ständige Vergleichen und Wetteifern mit Anderen, die vielleicht sogar schon längst die Macht über meine eigenen Werte und Maßstäbe an sich gerissen haben?

Auf dem Tripp des ‚immer besser immer schneller und immer mehr’ bemerkte ich nicht, dass ich auch immer gestresster,  angepasster und fremdgesteuerter agierte.

Ich war enttäuscht, oft sogar wütend, dass mir das umfassende und beständige Glück nicht widerfuhr, obwohl ich es eigentlich doch verdient hätte.

Glück stand für etwas Großes und Anhaltendes, für ein perfektes Leben, in dem alles gelingt und das Schicksal mir frühzeitig sämtliche Steine aus dem Weg räumt.

Aber mit dem Alter, aber auch den Stolpersteinen, die mir nicht erspart blieben, fragte ich mich immer häufiger, ob Glück wirklich dieser große und beständige Zustand ist, der dem Glückspilz zu teil wird und dem Pechvogel verwehrt bleibt,
ob Glück wirklich das ist, was uns für immer Gesundheit, Erfolg und Anerkennung beschert, oder vielmehr nur ein kurzer Glücksmoment ist, gerade so lang, um schnell eine Champagnerflasche zu leeren?

Ist der Lottogewinn, die Beförderung oder die gelungene OP wirklich der Freibrief für lebenslanges Glück?

Meiner Meinung nach eher dreimal nein, denn das Glück ist weder die Erfüllung großer Lebensträume, noch von außen so einfach sicht- und erlebbar.

Ich verstand mit den Jahren, dass das Glück nicht groß und laut, sondern klein und zart ist und in meinem hektischen Alltagsleben niemals existieren könnte, es braucht Schutz und Liebe, Muße und Einsicht, lebt in der Stille und kommt leise und unbemerkt.

Genauso wurde mir klar, dass das wahre Glück mir nur zuteil wird, wenn ich innehalte, feinfühlig und dankbar die kleinen Zeichen des Lebens wahrnehme und diese zu schätzen und lieben weiß.

Genau hier liegt vielleicht auch der Unterschied zwischen Glückspilz und Pechvogel, wo der erstere bewusst innehält und aktiv die kleinen lebensbereichernden Momente erkennt und diese dankbar als sein persönliches Glück annimmt, wartet der andere im Trubel seines Alltags und mit großer Erwartungshaltung vergeblich auf einschneidende Lebenshilfe von außen.

So erleben auch Menschen nach schweren Unfällen mit bleibenden körperlichen Behinderungen trotzdem oder sogar erst deswegen, tiefe und erfüllende Glücksmomente.
In ihrem Zustand des Innehalten Müssens und der Neuorientierung gelangen sie nicht selten auf diese stillen Pfade des Glücks, die ihnen vorher in der Hektik des Alltags verwehrt blieben. 

Glück ist für das Auge unsichtbar, es wohnt in der Stille und wenn ich es erleben möchte, muss ich anhalten und mich mit offenem Herzen dem so faszinierenden Schauspiel des Lebens zuwenden.

Genauso muss ich bereit sein, diese Glücksmomente auch wieder wohlwollend und dankbar vorbeiziehen zu lassen, um mit Zuversicht weiteren meine volle Aufmerksamkeit schenken zu können.

Glück hat also nichts mit Lottogewinn oder Beförderung zu tun, noch weniger mit gelungener Partnerwahl oder einem 'Hole in one' im Golf.

Dies sind eher positive Lebensereignisse, deren Gelingen zum Teil in unserer Macht liegt, zum Teil aber einfach unter die Kategorie der freudigen Zufälle einzuordnen sind.

Wenn Glück also kein Status ist, der vom Himmel oder Schicksal an Privilegierte verschenkt wird, sondern ein fortlaufender Prozess, den ich nicht mit den Händen oder dem Verstand erwarten oder erzwingen, sondern vielmehr tief in meinem Inneren spüren und zulassen kann...

...dann lasse ich doch einfach beim nächsten Spaziergang in den Bergen von Kitzbühel mal das Handy und die gedankliche ‚to do Liste’ zuhause, vielleicht begegnet mir ja ein fröhlich flatternder Schmetterling und ich habe tatsächlich das Glück, ihn lachen zu hören.

Eure Bibi

Bitte nichts Gebasteltes...
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Donnerstag, 26. April 2018

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